Putin nennt Zahlen zu Donezk, ISW widerspricht klar
Der russische Präsident sprach von 270 Quadratkilometern Geländegewinn im August 2026, das Institute for the Study of War kommt auf weit weniger.

Zwei Rechnungen für den August
Der russische Präsident Wladimir Putin hat auf einer Pressekonferenz am 1. September 2026 erklärt, russische Truppen erhöhten in der Ukraine das Tempo ihrer Offensive und die Einnahme der Oblast Donezk verlaufe wie geplant. Nach seiner Darstellung nahmen russische Kräfte im August 2026 in der Region 15 Siedlungen mit einer Fläche von 270 Quadratkilometern ein.
Das Institute for the Study of War (ISW), ein US-Forschungsinstitut, das den Krieg täglich auswertet, hält diese Angaben für überhöht. Nach seiner Auswertung offen zugänglicher Belege nahmen russische Truppen im August 2026 in der Oblast Donezk 73,14 Quadratkilometer ein und drangen in weitere 104,44 Quadratkilometer vor oder infiltrierten sie.
Auf der gesamten Front habe Russland im selben Monat nur 90,35 Quadratkilometer erobert oder Stellungen dort gefestigt, so das ISW. Das Institut verweist außerdem darauf, dass Putin mindestens 15 verschiedene Fristen für die vollständige Einnahme der Oblast Donezk gesetzt habe, von denen keine eingehalten wurde.
Umstrittene Ortsangaben
Putin sagte, russische Einheiten stünden eineinhalb bis vier Kilometer von den östlichen Rändern von Slowjansk und Kramatorsk sowie vom südlichen Druschkiwka entfernt. Er erklärte zudem, die russische Nordgruppierung habe Swjatohirsk nördlich von Slowjansk eingenommen. Das ISW nennt diese Behauptung von allen verfügbaren Belegen losgelöst und verweist darauf, dass russische Truppen im Spätfrühling und Frühsommer 2026 auf ihrem weitesten Vorstoß bis zu 13 Kilometer von Swjatohirsk entfernt waren.
Wegen laufender ukrainischer Gegenangriffe bei Lyman liege die aktuelle russische Linie wahrscheinlich noch weiter entfernt, schreibt das Institut. Wie weit diese ukrainischen Operationen reichen, ist bislang nicht geklärt.
Auch die Einnahme von Kozatscha Lopan nördlich von Charkiw meldete Putin. Ukrainische Vertreter wiesen das am 2. September zurück und erklärten, ihre Truppen hielten dort Verteidigungsstellungen. Nach ISW-Auswertung sind russische Kräfte in nur 1,31 Quadratkilometern und damit in 13,39 Prozent des Ortes vorgedrungen.
Truppenverlegungen bei Lyman
Eine Quelle zur russischen Nordgruppierung berichtete laut ISW am 2. September, die Einnahme von Kozatscha Lopan werde seit mindestens Juli 2026 aufgeschoben und der Erfolg der Führung in Moskau fälschlich gemeldet.
Im Abschnitt Lyman, nordöstlich von Slowjansk, ziehen russische Truppen Personal und Material zusammen. Das ISW sieht darin nach Angaben des Portals UA.NEWS vom 30. August ein mögliches Anzeichen für eine verstärkte Offensive, betont aber, dass eine großangelegte Operation noch nicht begonnen habe.
Parallel greift Russland ukrainische Logistik an, darunter Übergänge über die Flüsse Oskil und Siwerskyj Donez. Ein Vertreter einer ukrainischen Brigade im Abschnitt Slowjansk schätzte gegenüber UA.NEWS, dass etwa 30 Prozent der russischen Soldaten dort ausländische Rekruten seien, vor allem aus Lateinamerika, Afrika und Südostasien. Diese Einheiten blieben schlecht ausgebildet.
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