Mangott sieht kriegsähnlichen Zustand mit Russland
Der Innsbrucker Russland-Experte ordnet in der "ZiB 2" die hybriden Angriffe auf Deutschland ein und kritisiert die Reaktion Berlins als zu zurückhaltend.
Einschätzung in der "ZiB 2"
Der Russland-Experte Gerhard Mangott hat die hybriden russischen Angriffe auf Deutschland am Dienstagabend in der ORF-Nachrichtensendung "ZiB 2" bei Moderator Armin Wolf eingeordnet. Das berichtet die österreichische Tageszeitung DER STANDARD.
Die Angriffe stellten "keinen schweren bewaffneten Angriff" dar, sagte Mangott. Politikwissenschaftlich und politisch müsse man aber von einem "kriegsähnlichen" Zustand sprechen.
Bundeskanzler Friedrich Merz habe recht, wenn er sage: "wir sind nicht im Krieg, aber nicht mehr in Frieden."
Ziele der Angriffe
Nach Mangotts Einschätzung gehe es Russlands Präsident Wladimir Putin einerseits um die Zerstörung von Infrastruktur und Rüstungsunternehmen. Noch wichtiger sei es, Unsicherheit und Angst entstehen zu lassen.
Dieses Unsicherheitsgefühl führe politisch zu Druck auf die deutsche Regierung und andere westliche Staaten, die Unterstützung für die Ukraine zurückzufahren.
Deutschland fürchte offenbar die Eskalation, so Mangott. Er hätte sich eine "weniger zurückhaltende Reaktion" erwartet, etwa die Ausweisung von Diplomaten oder konkrete Angaben dazu, was gegen die sogenannte Schattenflotte russischer Öltransporte unternommen werde.
Nadelstiche statt großem Krieg
Einen großen militärischen Angriff Russlands auf ein NATO- oder EU-Land hält Mangott für "nicht realistisch". Denkbar seien "Nadelstiche", etwa Grenzzwischenfälle "mit kleinen grünen Männchen ohne Hoheitszeichen der russischen Armee".
Damit solle getestet werden, ob es den kollektiven Beistand der NATO für einen angegriffenen Staat tatsächlich gebe. "Im Idealfall für Russland gibt es diese Einigkeit in der NATO nicht", sagte Mangott.
Ein kleiner Grenzzwischenfall in Estland sei nicht ausreichend, um einen großen Krieg zu riskieren. "Das würde die Glaubwürdigkeit der NATO tatsächlich sehr schwerwiegend zerstören", so Mangott.
Hintergrund des Falls Leipzig
Anlass ist ein Vorfall mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Frachtflughafen Leipzig/Halle Anfang August, für den die deutsche Regierung offiziell Russland verantwortlich macht. Der Flughafen ist ein Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach laut news.ORF.at von einer "neuen Eskalationsstufe Russlands auf europäischem Boden". NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte, Russland agiere zunehmend rücksichtslos.
Moskau bestreitet eine Beteiligung. Putin nannte die deutschen Strafmaßnahmen laut WELT einen "schweren Fehler" und fragte: "Wo sind die Beweise?" Wie Österreich reagiert, ist offen: Staatssekretär Sepp Schellhorn kündigte einen Austausch mit seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul über eine mögliche Einbestellung des russischen Botschafters an.
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